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Uwe Freytag:
Guten Morgen. Mein Name ist Uwe Freytag. Ich bin Management Director bei Häberlein & Mauerer. Ich werde heute einen kurzen Auszug, der von uns erstellten Studie "Supermarket of Styles" halten. Hierbei werde ich eher auf die emotionalen Aspekte eingehen und die Statistiken ein wenig vernachlässigen. Der Ansatz der Studie ist entstanden, da eine Vielzahl unserer Kunden sich im Bereich Musik engagieren wollten, aber oft keine Vorstellung hatten, in welchem Segment, bzw. Musikbereich sie tätig werden sollten. Das veranlasste uns ein Cluster zu erstellen, mit dem nach bestimmten Kriterien, Emotionen, Zielgruppen und Erlebniswelten Musik unterteilen werden kann. Am Ende meines Vortrages möchte ich noch ein bis zwei Kundenbeispiele von uns vorstellen.
Ganz kurz zur Agentur, wir sind derzeit 40 Mitarbeiter, davon 27 in München und 13 in Berlin. Wir sind am 01.07.1988 in München von Stefan Mauerer und Chris Häberlein gegründet worden und haben neben dem Standort München seit 01.07.2000 ein zweites Standbein in Berlin. Unserer Kunden sind derzeit: Adidas (European Lead Agency), Levi's, Amazon, Quiksilver, Salomon, UDV Smirnroff und Smirnoff Ice, Smart (Europa), Air & Style (größter europäischer Snowboardevent), ZED, Dresdner Bank, Fjällräven, Igedo, das Kleinwalsertal, Mandarina Duck, Marlboro Classics, Sigg Bottles, UFA und das Wallstreet Institute.
Wir sind in erster Linie eine Agentur für klassische Public Relation, sprich Öffentlichkeitsarbeit, wir haben uns aber darauf spezialisiert, Marken, Produkte emotional erlebbar zu machen. Einerseits für Journalisten, auf der anderen Seite für Konsumenten. Wir sind tätig in den Bereichen Internet, Mode, Musik, Sport, Kommunikation, Entertainment, Food, Mobilität und Gegenwartskultur. Musik ist für uns also ein Teilbereich, wo man mit einer Marke tätig werden kann. Da gibt es einmal das klassische Feld Public Relations, all das, was wir unter Pressarbeit etc. verstehen und des weiteren die Erlebniswelten für Marken, wie z.B. Sponsoring, klassisches Eventmarketing und Jugendmarketing. Für größere Projekte wickeln wir auch die klassische Kommunikation oder Werbung ab.
Praktisch sieht das ganze folgendermaßen aus: Wir betrachten unsere Kunden, seine Produkte und die Marke, analysieren dann die Markenwerte um durch Erlebniswelten der eigentlichen Marke einen emotionalen Mehrwert zu schaffen. Als nächstes suchen wir eine geeignete Plattform, die aus den verschiedensten Bereichen sein kann. Musik ist z.B. ein Teilbereich davon, um am Ende erfolgreich PR durchführen zu können.
Sponsoring heißt für jeden von unseren Kunden einen zielgerichteten Imagetransfer. Emotionalität für Marke und Produkt hat etwas mit Jugendlichkeit, Dynamik, Lebensfreude, Aktion, Begeisterungsfähigkeit, Internationalität, Individualität, Kreativität zu tun, um Teil eines Lebensgefühls zu werden.
Bei der Frage der richtigen Ansprache der Zielgruppe durch eine Erlebniswelt ist ein bewusst und strukturiertes Vorgehen notwendig. Wir müssen also einen Mehrwert schaffen, der über bloßes Bannering hinaus geht, um Glaubwürdigkeit im Markenauftritt und in den Markenaktivitäten zu schaffen. Wir stellen sämtliche Aktivitäten unseres Kunden unter den Gesichtspunkt des Endverbraucherbenefits. Am Ende des Tages soll der Konsument vor Ort auch wirklich merken, dass es ihm etwas bringt, dass die Marke nah an ihm dran ist. Sehr wichtig dabei ist, dass das Sponsoringengagement auch wirklich kommuniziert werden kann und es ebenfalls einen Mehrwert für Künstler oder Bands schafft. Vor Ort zu sein heißt Nähe zu den Konsumenten, eine Marke zu erleben, Markenwerte zum Anfassen. Neue Kommunikationsinhalte ergeben sich für eine Marke und natürlich auch neue Kommunikationskanäle. Das heißt, jede Erlebniswelt verfügt über ihre eigene Medienwelt.
Wenn man Musik als Sponsoringplattform betrachtet, selektieren wir sehr stark nach Zielgruppen und stellen uns folgende Fragen:
Aus welcher Lifestyle-Welt kommen diese Zielgruppen? Mit was beschäftigen sie sich? Ein sehr wichtiges Thema ist, die richtige Balance zu finden zwischen einer sehr spitzen Zielgruppenansprache und einer sehr breiten Zielgruppenansprache, was man vermeintlich ja immer als Trend oder als Mainstream beschreibt. Welche Möglichkeiten hat unser Kunde in einer Erlebniswelt tätig zu werden? Wie kann ich mich glaubwürdig einbinden? Welche Kommunikationswelt existiert und welche Chancen, aber auch welche Risiken birgt so eine Kommunikationswelt? Wenn ich das mit anderen Sponsoringplattformen vergleiche, sieht es doch folgendermaßen aus. Im Bereich Sport, z.B. Fußball oder die Formel Eins, haben wir ein sehr starkes Medieninteresse, hohe Medienrelevanz, viele Zuschauer, sehr professionelle Mechanismen und klare Vertragsstrukturen. Unabhängig davon, ob ein einzelner Sportler oder eine Mannschaft an den Kunden gebunden ist, wird eine hohe Aufmerksamkeit und hohe Reichweite erreicht. Die Gesponsorten können massiv für die eigene Kommunikation, zur Werbung bis hin zum Event (Bsp. Formel Eins) genutzt werden.
Im Musikbereich stellt sich die Grundsatzfrage: Lassen sich Bands überhaupt sponsern? Auf der einen Seite ist einer Band natürlich die eigene Glaubwürdigkeit wichtig und sie weigert sich auch im bestimmten Maße, sich an eine Marke "zu verkaufen". Auf der andern Seite steht ein Image einer Band über dem Image einer Marke. Das kann Probleme bereiten, wenn sich die Band auf dem nächsten Award oder dem nächsten Festival so ausfallend benimmt, dass die Markeninhaber um ihren guten Ruf fürchten müssen. Die Wahl zwischen Newcomer und Headliner zur Identifikation mit einer Marke muß getroffen werden. Was ist mein Nutzen, wenn ein Künstler eingekauft wird, der am Ende des Tages überhaupt nicht hinter dieser Marke steht, wie z.B. Britney Spears, die dann trotz Pepsi Vertrag Coca Cola trinkt.
Die andere Strategie ist der Aufbau einer Band über Jahre hinweg. Hierbei werden natürlich Kriterien zum Erfolg der Band in einigen Jahren gesucht. Dem steht das vom Marketing sehr stark gestützte One-Hit-Wonder gegenüber, bei dem z.B. Bands in Fernsehsendungen mit dem klaren Ziel gecastet werden, um hoch in die Charts einzusteigen und massive Verkäufe, also eine kurzfristige Popularität zu erlangen. Grundsätzlich stellt sich für jeden Kunden, außer seinem eigenen Wunsch seine Marke irgendwo im Bereich Musik zu etablieren, zahlreiche Fragen. Ist es eine Band wie Placebo oder sind es die No Angels? Ist es die Erlebniswelt The Dome oder ist es ein Bizarre-Festival? Sind es Bands oder DJs oder ist es ein Event? Ist es HipHop oder Techno? Sind es Festivals oder kleine Clubs? Von der Medienseite auch mal betrachtet: Ist es die Visions oder ist es die Raveline? Ist es MTV, VIVA, Pro7 oder RTL? Und was ist denn eigentlich das Alter einer bestimmten Erlebniswelt und wie beschreibt sich eine Zielgruppe?
All das ist der Inhalt der Studie Supermarket of Styles. Wir versuchen relativ einfach, einer Marke, die sich mit Musik überhaupt nicht auskennt, eigentlich ein Stück diese Musikwelt zu erklären. Da gibt es zwei Welten, die wir im Groben unterschieden haben. Das ist die ganze Welt der Charts, das ist alles, was wir als Popularmusik betrachten, Pop, und natürlich die großen Mainstream-Acts, die es schon seit Jahren in den Charts gibt. Da drunter gibt es die einzelnen Szenen, von denen ich auf HipHop, Techno/House und Rock/Alternativ noch näher eingehen werde. Da gibt es natürlich unzählige weitere mehr, aber ich denke, um kurz zu bleiben, habe ich mich mal auf drei konzentriert.
Wenn man mal einem Kunden erklärt, wo Britney Spears hingehört, dann kommt sie auch aus einer ganz bestimmten Welt, wo Robbie Williams auch mal entstanden ist oder die Backstreet Boys. Das ist irgendwo der hysterische Teeniewahn des Medienheldes. Es beschreibt auch ganz klar eine Zielgruppe, die ist nämlich sehr jung, ca. 10 bis 16 Jahre. Wenn man mal auf die Zielgruppe achtet, mit was sie sich beschäftigt, dann hat das sehr viel mit Styling, Fashion und Accessoires zu tun. Handys ist ein riesengroßes Thema. Das ist diese Glammerwelt der Stars und Talk, das ist der eigene Körper, Flirten und das andere Geschlecht und Sexualität. Das ist die Welt zwischen, ich habe es mal genannt, Starschnitt aus der BRAVO und Pickel, Jugendclubs, Schulpartys, Popkonzerte, mit der Freundin im Café sitzen und eine sehr starke Orientierung an Helden und Idolen. Da geht es weniger in der ersten Linie um Musik, als vielmehr: Was für eine Persönlichkeit ist denn der Star? Das hat mit dem starken Identifikationscharakter zu tun. Alles, was diese Welt der 10 bis 16jährigen beschreibt, ist das Thema Träume, Wünsche und Sorgen. Die Medienwelt der 10 bis 16 jährigen spielt sich zwischen MTV2-Pop bis VIVA, BRAVO, BRAVO Girl, Mädchen, Yam etc. ab.
Dann gibt es den anderen Bereich, den Mainstreams. Alle Jahre wieder, weil altbekannt erscheinen neue Alben von Jon Bon Jovi, U2, Tina Turner, Peter Maffay und den Rolling Stones. Diese Platten werden aus alter Gewohnheit gekauft, die sich bewährt hat. Dies ist die Zielgruppe "28 Jahre Plus", die aber auch Popkonsumenten sind, weil sie auch auf die, durch massive Teeniekäufe hoch in die Charts einsteigenden Popstars, wie z.B. Robbie Williams zugreifen. Trends interessieren sie nur am Rande. Sie sind ein wenig modebewusst, aber nicht mehr mit sehr viel Mut, angepasst bis konservativ und machen auch keine großen Experimente mehr, womit sie neuen Marken gegenüber nicht mehr wirklich aufgeschlossen sind. Sie erfahren sehr viel über die Glammerwelt über die Medien, gehen mit Freunden Essen, ins Konzert, in die Großraumdiskothek und sind zunehmend familienorientiert.
Diese Schnittmenge von Stars ist nicht verwunderlich, da z.B. Robbie Williams nicht nur Einschaltquote garantiert, sondern natürlich auch in massiver Auflage in den Lifestyle Magazinen, wie z.B. Amica stattfindet. Oder ein Thema wie No Angel - Nadja "Ja, ich war süchtig", findet dann auch gerne auf RTL und Stern TV statt. Dahinter gibt es eine andere Welt, die der Szenen, die irgendwo Heimatorientierung bedeuten und auch Trends setzen. Sie sind eng mit den Bereichen Kleidung, Marken, Künstlern und Medien verknüpft. Meist ist es eine Erscheinung, die im Alter zwischen 12 und 17 Jahren eintritt. Nch dem Motto: Irgendwo da draußen scheint es noch etwas cooleres an Musik zu geben, als das, was ich aus den Charts und aus der BRAVO kenne und diese Welt gilt es zu entdecken, was die Individualität der Zielgruppe bedeutet. Das heißt, man interessiert sich für speziellere Musik und differenziert sich so auch ein Stück von den Gleichaltrigen. Die Sommerkollektion der meist benutzten Markenutensilien 2001 sind z.B. der ADIDAS-Pulli, die Carhart-Hose, die PUMA-Schuhe, das Nokia-Handy, die Engineered -Jeans, die FILA-Mütze und die GAP-Jacke. Die internationale Welt des HipHops, bis vor Jahren ja undenkbar, mit den Megasellers in Deutschland, wie Wu-Tang Clan, Eminem oder die nationalen Tomek, Massive Töne, 5 Sterne Deluxe und so weiter. HipHop ist jung. Beginnt irgendwo um die 12 Jahre, teilweise auch schon früher. Die Markenwelt beschreibt unter anderem Old-School-Klassiker, Sportsware generell, weite Textilien und die Hosen sitzen meistens ein bisschen tiefer. Die eigene Erlebniswelt besteht aus Breakdance, Graffiti, DJ-Battles und die Medienwelt aus Backspin, Juice usw.
Dann gibt es den ganzen Bereich Techno/House. Ich habe das hier zusammengefasst, normal sind das alles getrennte Bereiche. Es beginnt irgendwo bei Sven Väth und endet bei David Moralis. Die Zielgruppe ist ebenfalls ab 15 Jahren. Ich denke, man kennt die populären Veranstaltungen wie Loveparade, Mayday und Union Move in München. Bewegt wird sich in der Ebene Clubs, Lounges, teilweise immer noch Hallen, feiern bis zum Morgengrauen, das ganze Thema After-Hour ist daraus entstanden. Beim Style geht es immer noch um die Thematik "Weniger ist mehr". Das sieht man dann sehr schön auf der Loveparade, bzw. bei House eher stylie von den Textilien her und sehr teuer. Auch hier steht eine eigene Medienwelt dahinter, wie z.B. Raveline, Flyer und Partysan.
Der Bereich Rock/Alternativ spielt sich in der Welt zwischen Garbage, Limp Biskit, Placebo, Prodigy, Bush etc. ab. Die Zielgruppe ist etwas älter, ab 16 Jahre. Hier steht die sehr starke Individualität im Vordergrund. Das Outfit ist ein Personal Puzzle, Streeteware, Second-Hand bis Sportsware, kein Code ist auch ein Code, das ganze Thema "Handmade Music", ehrlich und authentisch. Die Erlebniswelt sind Konzerte, Touren, Festivals, wie Rock am Ring, das Hurricane, Bizzare etc und die Medienwelt Visions, Musikexpress, Intro, WOM, Rolling Stones und viele mehr.
Ich möchte noch auf zwei Kundenbeispiele eingehen von uns. Das ist erstens die Privatbrauerei Diebels. Für die sind wir seit fünf Jahren im Musiksponsoring tätig. Ende 1997 kam der Kunde zu uns mit dem Wunsch Musiksponsoring zu machen. Wir haben uns natürlich darauf hin ein bisschen den gesamten Bereich angeschaut. Was gibt es denn? Was machen andere Brauereien? Wie verhält sich das alles? Wir sind damals darauf gestoßen, dass gerade Radeberger und Sat1 die Rolling Stones präsentierten und Becks Marius Müller-Westernhagen und Holsten Peter Maffay machte. Wir diskutierten damals sehr, sehr lange, ob solche Präsentationsgeschichten eigentlich glaubwürdig sind bei einer Zielgruppe. Also, trinkt Mick Jagger wirklich Radeberger? Und gibt es eine Nähe zwischen Peter Maffay und Holsten? Diebels war in den Jahren zuvor massiv im Sportsponsoring aktiv, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf, und wollte eine komplette Neuausrichtung seiner gesamten Sponsoringaktivitäten. Das hat einerseits mit der Verjüngung der Marke zu tun, als auch mit der Erschließung neuer Zielgruppen. Wir haben uns dann überlegt, dass Festivals und Konzerte im weitesten Sinne die eigentliche Welt ist, in der Bier als natürlicher Bestandteil eigentlich schon dazu gehört. Der Diebels Kommunikationsslogan hieß damals noch "Diebels, der Moment gehört dir" und wir definierten diesen als Arbeitstitel, um das Musiksponsoring in einem relativ einfachen Zugang "Diebels, der Moment gehört dir Erlebe eine schöne Zeit mit Musik" zu verpacken. Das schafft den Vorteil, dass man sich nicht unmittelbar und direkt an einen Künstler und sein Image bindet. Somit ist man relativ frei und man bewegt sich in einem größeren Feld, das wir natürlich in der Folgezeit auf den Kunden zugeschnitten haben.
Auftakt war 1998 für das Sponsoring die Smashing Pumpkins, die wir in Kooperation mit der Virgin und Marek Lieberberg Konzertagentur als einzigen Deutschlandtermin live und umsonst in Hamburg auf der Reeperbahn spielen haben lassen. Das war komplett finanziert durch Diebels. Und letztlich schenkten wir dieser Stadt Hamburg ein komplettes Konzert dieser Gruppe. Demzufolge war auch der Einzugsbereich, aus ganz Deutschland sind Busse nach Hamburg gekommen und mehr als 40.000 Zuschauer waren an diesem Abend im Mai dabei. Das war ein unvergessliches Erlebnis für alle Konsumenten und es war natürlich ein massives Public Relations-Thema für die Privatbrauerei Diebels. Letztlich war das natürlich auch das Gesprächsthema, dass eine Brauerei wie Diebels einer Stadt so etwas ermöglicht. Von 1998 bis einschließlich dieses Jahr waren wir für das klassische Festivalsponsoring verantwortlich, wie z.B. das Bizarre Festival, das Haldener Open Air, Highfield, Landsberg, Rock am See, das Southside Festival, die Vans Warped Tour, With Full Force und viele mehr. Wir sind ohne den Anspruch der massivsten Präsenz vor Ort an die Festivals rangetreten und haben uns sehr stark mit einem glaubwürdigen Auftritt vor Ort und der kompletten Vernetzung des Sponsorings beschäftigt, um es massiv in die Medienkanäle zu transportieren. In der Folgezeit haben wir eigene VIVA- und MTV-Kampagnen gemacht, deren Bilder sowohl von MTV als auch von VIVA aufgegriffen wurden und für ihre eigenen Festivalbewerbung eingesetzt wurden, weil wir sehr stark in den ersten Jahren mit Bildern gearbeitet haben, also eigenen Kamerateams, die vor Ort waren, und somit in der Lage waren, diese Bilder anbieten zu können.
Zusätzlich gab es noch eine große Printkampagne. Vor Ort, sage ich mal, gab es klassische Aktionen, die irgendwie einen witzigen Endverbraucherbenefit hatten. Ich möchte eines rausgreifen, weil es das erfolgreichste Tool war. Es gibt immer so diese große Frage, wenn eine Band spielt und alle haben kein Bier mehr, dann stellt sich so die Frage: Wer geht Bier holen? Und alle sagen: Bring mir auch eines mit. Und mehr als vier Stück kann man mal nicht tragen, worauf wir ein Multitray entwickelt haben. Das ist ein aufblasbares Kissen gewesen. Eine klassische Maßnahme zu mehr Bierverkauf. Aber ein recht einfaches Tool um sechs Bier unkompliziert durch Menschenmassen und über ein Festival zu transportieren. Das sind kleine Tools, die eben noch weiter einsetzbar waren als Sitzunterlagen etc., die die Marke massiv zum Gesprächsthema machten.
Etwas ausführlicher möchte ich auf unseren zweiten Kunden Levi's und auf die Markteinführung der Levi's Engineered Jeans eingehen. Levi's Engineered Jeans ist die größte Produktinnovation der Marke seit der Markteinführung 501 in Deutschland. Zwar ist Levi's Engineered Jeans, man kennt es ja auch aus der Werbung, die Hose mit der gedrehten Seitennaht heißt Tragekomfort und Bewegungsfreiheit, Freedom to move, Innovation im Schnitt, eine dreidimensionale Naht, die nach vorne läuft, und Musik als Lebensgefühl, was die Marke auch schon vorgibt. Levi's zeigt auch diese Musikkompetenz seit Jahren. Es gab unzählige unbekannte Bands, die von heute auf morgen erfolgreiche Popstars geworden sind, weil Levi's sich genau solche Künstler ausgesucht hat, teilweise ohne Plattenvertrag, sie in die Werbung integrierte und dann natürlich durch eine starke Penetration im Fernsehen Bekanntheitsgrad aufbaute. Levi's ist angetreten, alternative Konzepte im Segment Musik zu entwickeln, die ein internationales Engagement die Mode- und Lifestylestrategie ergänzen. Der Ausdruck eines Lebensgefühl zwischen Marke und Musik, Begeisterung, Neugierde, Zugehörigkeit, Internationalität und Innovation. Auf der einen Seite Progressivität, Innovation, Sexyness in der Mode, auf der anderen Seite eben progressive, coole Musik und auch die Förderung innovativer Newcomer.
Ein Projekt, dass wir dieses Jahr im Mai veranstaltet haben war die Levi's Engineered-Jeans Musik Tour 2001 in Berlin. Weitere Stationen waren London, Berlin, Paris, Barcelona und Mailand. Wir haben uns dort zum ersten Mal mit dem Ansatz beschäftigt, nicht bestehende Events einzukaufen, sondern eigentlich einen eigenen Musikinhalt zu schaffen, eine eigene Plattform zu kreieren und eine eigene Erlebniswelt für die Marke aufzubauen. Der Wunsch des Kunden war, die Inhalte so spannend zu machen, dass die Medien auch massiv darüber berichten, ohne dass zusätzliche monetäre Leistungen in Richtung der Medien erfolgen. Das ganze Thema hieß "Outkast and Guests". Aus dem Grund, weil wir einen internationalen Headliner genommen haben und ihn aber nicht nur einer Zielgruppe vorgesetzt haben, sondern gesagt haben: Der ist eigentlich ein sehr guter Zugang zu der Zielgruppe und den Newcomern nationaler Art. Ziel war ein eigener Content und ein limitierter Event für maximal 1.200 Personen. Levi's hat damit alle Tickets für diesen Event und dieser sollte nur erhältlich sein über zahlreiche Competitions, die in der Medienwelt stattfanden. Ziel war größtmögliche, europaweite PR und eine sinnvolle und glaubwürdige Verbindung von Headlinern und nationalen Newcomern, eine Plattform für Innovationen zu schaffen. Attraktivität war für uns eine Band, die sich sehr stark, vielleicht auch auf trashige Art und Weise mit Mode identifizieren kann. Wenn man Outcast sich ein bisschen näher anschaut, die demnächst auch ihr eigenes Modelabel rausbringen werden, dann sind es sehr stylische Menschen. Sie waren mit "Mrs. Jackson" gerade auf Platz eins in den Charts, haben damit Gold geholt und waren bis dato noch nie in Europa. Wir wussten, dass sie im Juni auf die Festivals kommen, beginnend mit Rock am Ring, Rock im Park, was ein idealer Zeitpunkt war zum ersten Mal diese Band in Deutschland für eine Marke zu präsentieren. Der zweite große Bestandteil war, dass alle Tickets nur über Competitons in Medien erhältlich waren. Dieser nationale und europaweite PR Content - "Only Levi's gets you in” mit Outcast als Aufhänger mit fünf bis sechs nationalen Newcomern, 25 Medien-Kooperationen Print war so spannend, dass VIVA neben der Loveparade und der May Day, ihre einzige dritte Live-Übertragungen in diesem Jahr von unserem Event machte. Dazu gab es ein europaweites Live-Broadcasting von Microsoft, eine Live-Übertragung auf Radio Fritz in Berlin und alle Tickets waren nur über Medien erhältlich. Wir haben natürlich einen Riesencontent genommen, um ihn komplett durchzufiltern. Auch was die Fanbase HipHop betrifft, bis hin zum Merchandising.
Als Location reaktivierten wir das alte Berliner E-Werk, dass ja seit ein 1 1/2 Jahren leer steht und dekorierten es eigentlich noch einmal komplett neu.
Durch Fan-Competition wendeten wir uns letztlich an die Leser und Zuseher aller Medien, die wir als Partner gewinnen konnten. Durch die Fragestellung, wie kann man zuzüglich zu so einer Band wie Outcast Newcomer einladen, kamen wir zu dem Ansatz, dass dies alle tun sollten, die sich mit Musik beschäftigen und sie lieben, sprich die, die unsere Zielgruppe sind. Wir überlegten lange, was für ein Mechanismus es geben kann, damit in ganz Deutschland Jugendliche Bands auswählen können, und zwar Newcomer, die noch nicht in den Charts waren, aber die sie auch gerne vor Outcast sehen und denen sie es auch gönnen würden, dass diese massive Medien-Coverage praktisch auch sie featured. Wir haben im Musikexpress eine CD-Beilage gemacht, bei der alle Plattenfirmen, und besonders die kleinen Labels, ihre hoffnungsvollsten Nachwuchs-Bands einreichen konnten. Diese Compilation wurde beigelegt im Musikexpress und die Leser konnten auch per Internet auswählen, welche Bands auf diesem Event spielen sollten.
Als Medienpartner hatten wir z.B. in Deutschland Piranha, Flyer, Musikexpress, WOM, Rolling Stone, Intro, Visions, MAX, PRINZ, Spex, 030, die BRAVO, Tip, Uncle Sallys, Yes, Berliner Zeitung, Intro-Festivalguide, YAM, Visions und den Musikmarkt.
Als TV Partner konnten wir VIVA gewinnen, die uns mit einer einstündigen Live-Übertragung mit zwei Wiederholungen, sowie vier Sondersendungen, 80 Trailern, 20 Competition-Trailern und der gesamte Moderation des Abends unterstützten. Wir luden natürlich auch andere TV-Sender ein. Es waren Teams vom ZDF Morgenmagazin, Exklusiv, Explosiv bis zu Pro7-Taff anwesend.
Es gab die Internet-Coverage, die natürlich über www.levi.com lief. Neben dem Lifestream auf Microsoft, vernetzten wir das ganze Thema Outcast im Internet von spex.de bis loop.de.
Da die Zielgruppe mit 15 bis im weitesten Sinne 25 Jahre bei Levi's natürlich auch sehr jung ist war das ganze Thema Handy von großem Interesse. So gingen wir mit Loop bei diesem Event eine Markenpartnerschaft ein, die zielgerichtet 30.000 Endkonsumenten in Berlin auf diesen Event steuern sollten. Loop vervollständigte die sehr direkte Zielgruppenansprache durch eine eigene co-gebrandete TV-Kampagne mit Hinweis auf Levi's-Event und SMS-Competition. Am Point of Sale aller Levi's-Stores machten 150.000 Flyer und 10.000 Poster auf das Ereignis aufmerksam, die ebenfalls Competitons für Tickets enthielten.
Am Tage des eigentlichen Events und bis zum Auftritt von Outkast lief alles perfekt. Die Verträge mit Outkast enthielten eine Zustimmung zur TV-Live-Übertragung, einem Live-Stream im Internet und einer Radioübertragung. Drei Minuten vor dem Auftritt, als die Kameras bereits live geschaltet waren, entschied sich die Band allerdings nicht aufzutreten. Soweit kann man alles steuern, aber die „schönen“ drei Minuten hinter der Bühne, wo viele Menschen, obwohl bis dato alles glattgelaufen ist, äußerst nervös werden, sind unbeschreiblich. Als sich Outkast dann doch bereit erklärten aufzutreten, hörte man ein erleichtertes Ausatmen der ganzen Crew. Das sind die kleinen Geschichten am Rande, wenn selbst die besten Verträge mit Managements, innerhalb von drei Minuten ungültig werden.
Ich würde noch ganz gerne kurz ein zusammenfassendes Video des Events zeigen, angefangen mit den Newcomer-Bands, die im Vorfeld auch über Radio Fritz wählbar waren, bis über die einzelnen Printtitel bis hin zum eigentlichen Outcast Event und Auftritt. Es soll als kurzer Eindruck dienen, wie wir mit einem Headliner einen massiven PR-Event mit entsprechendem Content geschaffen haben, der die Marke in alle Medien brachte und somit eine extrem hohe Markenpräsenz im TV, Print, Radio, Internet, am PoS und vor Ort erzielte. Vielen Dank.
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